Jörg Richter: „Diese Haltung ist es wert, sie zu bewahren!“
Die HHO ist seit 65 Jahren geprägt von den unterschiedlichsten Menschen. Wir haben einige von Ihnen nach ihren ganz persönlichen Erfahrungen und Geschichten in der HHO gefragt.
Was bewegt einen Menschen, der kaufmännisch denkt und handelt, in ein Sozialunternehmen wie die HHO einzusteigen? Im Fall des HHO-Geschäftsführers Jörg Richter liegt die Antwort in den Erfahrungen, die er in seinem Leben gemacht hat: „Ich habe nach meiner Ausbildung im Zivildienst gemerkt, wie erfüllend es ist, anderen Menschen zu helfen. Mir war aber auch schnell klar, dass ich nicht für einen Pflegeberuf geeignet bin, weil mir der Kontakt mit den Menschen sehr nahe geht. Ich könnte in einem solchen Beruf nie so professionell sein, wie im kaufmännischen Bereich. Also habe ich überlegt, wie ich mein kaufmännisches Wissen in die Arbeit für Menschen einbringen kann. Ich wollte in meinem Berufsleben gerne die Zufriedenheit erfahren, die ich im Zivildienst erlebt hatte.“
Von der Betriebswirtschaft zur Sozialwirtschaft
Nach dem Studium an der Hochschule Osnabrück mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft in Einrichtungen des Gesundheitswesens und Tätigkeiten im Krankenhaus-Controlling wechselte Jörg Richter zur HHO und merkte schnell, dass hier der ideale Ort ist, um seine Vorstellungen umzusetzen. „Nach meinen vorherigen beruflichen Erfahrungen ist mir sofort der besondere Umgang aufgefallen, den die Menschen hier miteinander pflegen. Immer wird das Ganze in den Blick genommen, immer steht das Wohl der Kunden und Klienten im Fokus. Auch in stressigen Zeiten, wenn der Druck auf die HHO wächst, geht man gut miteinander um und packt die Herausforderungen gemeinsam an. Das möchte ich nicht mehr missen. Kurz gesagt: Die HHO und Jörg Richter, das matcht.“
2006 begann der Diplomkaufmann nach einer Hospitation in der Lebenshilfe Braunschweig als kaufmännischer Leiter der HHO. Nach der Umstrukturierung wurde Jörg Richter Prokurist der HHO Verwaltungs GmbH. Als kaufmännischer Leiter der Muttergesellschaft arbeitete er immer eng mit den Prokuristen der anderen HHO-Gesellschaften zusammen und bekam so einen guten Einblick in alle Bereiche. Zudem übernahm er später die Prokura für die OSNA-Integ gGmbH und zeitweise auch für die Osnabrücker Werkstätten. 2022 wurde er Co-Geschäftsführer, seit Oktober 2024 ist er alleiniger HHO-Geschäftsführer.
Veränderung wagen, Haltung bewahren
Nach fast 20 Jahren blickt Jörg Richter auf einige wesentliche Entwicklungen im Unternehmen zurück, die er mitgestaltet hat: „Da möchte ich die Umstrukturierung der HHO in die unterschiedlichen Gesellschaften, die Fusion mit der Hilfe für hörgeschädigte Menschen und die Professionalisierung im kaufmännischen Bereich nennen. Wir haben eine neue Verhandlungskultur mit den Kostenträgern etabliert. Innerhalb der HHO haben wir das alte System aufgebrochen, in dem ein Bereich den anderen querfinanziert hat. Dieser Schritt hat die Arbeit einzelner Bereiche stark verändert aber auch weiterentwickelt. Deshalb sind wir heute gut aufgestellt“, erklärt der HHO-Geschäftsführer. Wichtig sei ihm aber, dass sich die Haltung innerhalb des Unternehmens in dieser Zeit nicht verändert hat. „Die HHO zeichnet sich durch einen besonderen Blick auf die Gesellschaft aus. Wir sehen unsere Arbeit auch als gesellschaftlichen Auftrag, die Vielfalt im Sinne unserer Demokratie zu leben und zu stärken. Diese Haltung gab es in der HHO von Anfang an, und Ziel ist es, dass es so bleibt!“
Wie wenig die Menschen in der Region auch nach 65 Jahren über die HHO wissen, erstaunt Jörg Richter immer wieder. Zwar bringe jeder die HHO sofort mit der Behindertenhilfe in Zusammenhang, aber kaum jemand wisse, was das Unternehmen alles leiste: „Dabei sind wir vor 65 Jahren von Osnabrückern für Osnabrücker gegründet worden. Zudem wissen viele Menschen gar nicht, dass zum Vorstand des HHO e.V. qua Satzung unter anderem Vertreter von Caritas, Diakonie und Lebenshilfe gehören, was das besondere Profil der HHO mitprägt.“
Jörg Richter sagt, er habe sich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich durch die Arbeit in der HHO weiterentwickelt. Bei der Erinnerung an seine ersten Besuche am Standort Sutthausen lacht er kopfschüttelnd: „Als ich zu einem der ersten Gespräche kam, war ich erst irritiert über die Größe und über die vielen Menschen mit Einschränkungen, die hier arbeiten. Und ich war erstaunt über das selbstverständliche Miteinander hier. Da ich vorher kaum Kontakt zu Menschen mit Einschränkungen hatte, hatte ich anfangs Sorge, ob ich mich richtig verhalte. Es ist toll, dass das Miteinander auch für mich schnell zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Ich bin überzeugt, dass Inklusion nur über Begegnung entsteht. Wir brauchen deshalb viel mehr Orte für Begegnung und gemeinsames Tun.“
Beim Stichwort Begegnung fallen Jörg Richter im Rückblick auf seine bisherige Zeit in der HHO auch einige Treffen ein mit „Menschen, die ich sonst wahrscheinlich nie persönlich getroffen hätte“. Er erinnert sich gerne an die Besuche der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, einiger Bundespräsidenten aber auch vieler Fußball-Größen. „Solche Besuche sind ja auch Zeichen der Wertschätzung für unsere Arbeit.“
Zum Ende des Gesprächs richtet der HHO-Geschäftsführer noch einmal den Blick in die Zukunft: „Die HHO, das sind unsere Kunden und Klienten. Ich wünsche mir, dass sie – und damit auch die HHO – ganz selbstverständlich ein Teil der Gesellschaft in der Region sind. Der HHO wünsche ich zu ihrem 65sten außerdem, dass sie sich nicht mit 67 Jahren zur Ruhe setzt, sondern immer ein Geburtstagskind bleibt, das sich lebendig und neugierig weiterentwickelt.“