Inklusive Arbeit direkt im Unternehmen
Flexibel, individuell und sozial nachhaltig – ein zukunftsweisendes Modell am Werkstatt-Standort in Wallenhorst
Immer mehr Menschen mit Behinderung möchten ihre beruflichen Perspektiven erweitern, ohne den geschützten Rahmen der Werkstatt vollständig aufzugeben. In Wallenhorst bietet eine neue Kooperation der örtlichen HHO-Werkstatt mit Siebdruck Ludewigt genau diese Möglichkeit: Beschäftigte aus der Werkstatt arbeiten flexibel und nach individuellem Bedarf direkt vor Ort im Unternehmen mit. „Es ist eine Win-win-Situation“, sagt Marcel Büker, Werkstattleiter der Werkstatt Wallenhorst. „Die Firmen erhalten Mitarbeitende genau dann, wenn die Auftragslage es erfordert, und unsere Beschäftigten können aus der Werkstatt heraus erste Schritte auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gehen.“
PerspektivWerk: Brücken bauen zwischen Werkstatt und Arbeitswelt
Die Zusammenarbeit läuft im Rahmen von PerspektivWerk, einem innovativen Angebot der HHO für Unternehmen und Institutionen. PerspektivWerk vermittelt Werkstatt-Beschäftigte in Betriebe, um personelle Engpässe zu überbrücken oder Produktionsspitzen abzufedern. In kleinen Teams, begleitet von pädagogischen oder handwerklichen Fachkräften, übernehmen sie Tätigkeiten in Bereichen wie Produktion, Verpackung, Montage, Service oder einfache Hilfsarbeiten.
Das Ziel: Menschen mit Behinderung die Chance geben, neue berufliche Erfahrungen zu sammeln, ihre Fähigkeiten auszuprobieren und Kontakte außerhalb der Werkstatt zu knüpfen – immer in ihrem eigenen Tempo. Für Unternehmen bedeutet PerspektivWerk eine flexible Unterstützung, die nicht nur effizient ist, sondern auch die soziale Verantwortung stärkt. Zudem können Einsätze auf die Ausgleichsabgabe – eine Abgabe, die Unternehmen zahlen müssen, wenn sie nicht die gesetzlich festgelegte Zahl an Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung besetzen – angerechnet werden.
Positive Erfahrungen der Beschäftigten vor Ort
Die Tätigkeiten vor Ort sind vielfältig – und für viele Beschäftigte ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstständigkeit und beruflicher Entwicklung. „Es macht Spaß, Aufgaben zu übernehmen, die ich sonst nicht mache“, erzählt Sebastian Hammann.
Wiebke Habermeier betont die soziale Komponente: „Ich finde es toll neue Menschen zu treffen und sich auszutauschen.“ Und auch Dominik Hanneforth ist motiviert, wenn es aus der Werkstatt in den Betrieb geht. Er ist immer einer der Ersten, die sich melden.
Ein Modell mit Zukunft
Die Kooperation entstand durch einen glücklichen Umstand: Grün in Form, ein Inklusionsunternehmen der HHO, übernimmt schon etwas länger die Pflege der Außenanlagen bei Siebdruck Ludewigt. Über dieses kam der Kontakt zustande. Schnell war klar, dass sowohl die HHO als auch das Wallenhorster Unternehmen von einer Zusammenarbeit im Rahmen von PerspektivWerk profitieren können. Und dies scheint sich zu bestätigen. „Die Zusammenarbeit bislang ist sehr gut“, erklärt Marco Grütter von Siebdruck Ludewigt. „Die Beschäftigten sind zuverlässig. Die Flexibilität passt perfekt zu uns, da wir nur auftragsbezogen produzieren. Es ist schön, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben – und es tut auch unserem Betriebsklima gut.“
Die Kooperation zeigt, wie Inklusion im Arbeitsleben konkret umgesetzt werden kann: mit Offenheit, Vertrauen und Flexibilität. Sie ist auch ein Beispiel dafür, wie Unternehmen und Werkstätten gemeinsam neue Perspektiven schaffen können – für Menschen mit Behinderung und für die Betriebe selbst.