Gedenkgottesdienst erinnert an die Opfer der NS‑„Euthanasie“
Erinnern ist kein jährliches Ritual – es ist eine Haltung und ein Auftrag.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“
In der St. Marienkirche Osnabrück fand am 27. Januar der diesjährige ökumenische Gedenkgottesdienst für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen statt. Die HHO hatte gemeinsam mit Caritas, AWO, dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Osnabrück, der Hilfe für hörgeschädigte Menschen in Niedersachsen e.V., dem Osnabrücker Verein zur Hilfe für seelisch behinderte Menschen e.V., AMEOS sowie der Lebenshilfe Osnabrück eingeladen.
Unter dem Jahresmotto „Gott spricht: siehe, ich mache alles neu!“ versammelten sich hunderte Menschen, um der rund 160.000 Frauen, Männer und Kinder zu gedenken, die zwischen 1939 und 1945 im Rahmen des sogenannten „Euthanasie“-Programms ermordet worden waren.
Einführung mit klarer Haltung: „Jede Würde ist von Gott gewollt“
Superintendent Joachim Jeska führte in den Gottesdienst ein mit Worten, die viele Menschen im Kirchenschiff sichtbar berührten:
„Jedes Leben und jede Würde ist von Gott gewollt. In allen Zeiten und an allen Orten.“
Eine Haltung, die heute, vielleicht mehr denn je, Orientierung gibt und deutlich macht, dass Ausgrenzung, Abwertung und Gewalt niemals wieder Raum bekommen dürfen.
Kintsugi als Bild der Hoffnung: Zerbrochenes ist nicht verloren
Ein besonderes plastisches Motiv des Gottesdienstes war die japanische Reparaturtechnik Kintsugi. Dabei werden zerbrochene Keramiken mit Goldkleber wieder zusammengefügt. Das Bruchstück erhält dadurch einen neuen, einzigartigen Wert.
Dieses Bild stand sinnbildlich dafür, dass das Zerbrechen von Leben nicht das letzte Wort hat.
Es erinnerte daran, dass jedes Opfer eine Geschichte, ein Gesicht und eine unverlierbare Würde besitzt. Dass etwas, das zerstört wurde, nicht vergessen werden darf und dass im Erinnern etwas Neues entstehen kann: Verantwortung, Wachsamkeit, Mitgefühl.
„Wir geben keine Ruhe – nicht bei diesem Thema.“
Mareike Loth, Liturgische Leitung von Seiten der HHO, fand klare Worte, die nachhallten:
„Wir geben keine Ruhe – nicht bei diesem Thema.
Wir können es nicht ungeschehen machen, aber wir halten das Andenken an die Geschehnisse und an die Verstorbenen wach.
Damit wird die Würde dieser Menschen unzerstörbar.“
Damit brachte sie auf den Punkt, was der Gottesdienst seit vielen Jahren ausdrückt:
Erinnern ist kein jährliches Ritual – es ist eine Haltung und ein Auftrag.
Gemeinsam erinnern. Gemeinsam Verantwortung tragen.
Der Gedenkgottesdienst machte deutlich, dass Würde, Respekt und Menschlichkeit keine historischen Themen sind, sondern Grundlagen unseres Zusammenlebens – heute und morgen.
Im Gedenken an die Opfer wächst die gemeinsame Verantwortung, für eine Gesellschaft einzustehen, die niemanden verliert und niemanden vergisst.