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Ein (un)klassisches Konzert

02.06.2026

Ein Interview über Inklusion, Begegnung und die Idee hinter dem “Konzert in Bewegung“

Menschen unterschiedlicher Altersgruppen in einem hell beleuchteten Raum mit modernen Kirchenbänken aus Holz und hellem Parkettboden. Personen in Rollstühlen und auf Bänken sitzen auf der linken Seite, während rechts und im Hintergrund stehende Menschen zu sehen sind. Oberhalb befinden sich große Fenster mit farbigen Glasflächen, an der Decke hängen kleine Lampen. Links oben ist eine Kirchenorgel sichtbar, rechts vorne ein beleuchtetes Pult.

Musik bewegt - und verbindet.

Manchmal beginnt etwas Großes mit einem einzigen Gedanken. Mit einem Wunsch. Mit der Hoffnung, Menschen zusammenzubringen. So begann auch die Geschichte des „Konzerts in Bewegung“, welches die Caritas-Gruppe der Christus-König-Gemeinde gemeinsam mit der HHO (Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück) am 31. Mai 2026 veranstaltete.

Den ersten Impuls gab Katja Lehmberg: „Wir kennen die Herausforderung, das unangepasstes Verhalten bei einigen Veranstaltungen im Publikum nicht gut ankommen. Dazu gehören unter anderem oft auch klassische Konzerte. Viele Familien mit beeinträchtigten Kindern vermeiden dann einen Besuch dieser Konzerte, um nicht absehbar in unangenehme Situationen zu geraten. Gleichzeitig wünscht man sich aber Orte, an denen Menschen einfach miteinander sein dürfen“, erzählt sie. „Ohne Unsicherheit. Ohne Berührungsängste. Ohne das Gefühl, anders zu sein. Musik hat diese besondere Kraft. Sie fragt nicht nach Einschränkungen oder Unterschieden. Musik verbindet einfach.“

Mit dieser Idee brachte sie Menschen zusammen, die dieselbe Vision teilen. Kerstin Kerperin von der Christus-König-Gemeinde, HHO-Markenbotschafterin Lisa Kuppelmayr sowie die Bremer Initiative „Inklusik“ mit dem Kammerensemble Konsonanz, Katrin Anders von Miteinanders | Kultur • Barrierefrei •Inklusiv sowie der Initiatorin Dr. Gerhild Alf.

Ein besonderes Konzert für alle

Bereits beim ersten Austausch wurde schnell klar: Dieses Konzert würde etwas Besonderes werden.

„Von Anfang an war da ein ganz besonderer Vibe zwischen allen Beteiligten“, erzählt Katrin Anders. „Man hat direkt gespürt, dass hier Menschen zusammenkommen, die dieselbe Haltung teilen und wirklich etwas bewegen möchten. Musik schafft Begegnungen, die man nicht planen kann. Wenn Menschen gemeinsam lachen, zuhören, mitsingen oder einfach den Moment teilen, dann entsteht etwas Echtes. Genau darum geht es bei unseren Inklusik-Konzerten: nicht nur um musikalisch-künstlerische Perfektion, sondern auch um Menschlichkeit.“

Auch für Kerstin Kerperin, war sofort spürbar, wie viel Kraft in diesem Projekt steckt. „Inklusion beginnt dort, wo Menschen sich wirklich gesehen fühlen. Kirche sollte genau so ein Ort sein. Dieses Konzert zeigt, wie Gemeinschaft aussehen kann: offen, warmherzig und selbstverständlich. Nicht, wir und die anderen, sondern einfach ein gemeinsames Wir.“

Mehrere Personen stehen auf einer erhöhten Plattform in einem Kirchenraum. Sie halten Streichinstrumente wie Geigen, Cello und Kontrabass in den Händen. Vor den Personen sind Notenständer aufgebaut. Im Hintergrund befindet sich eine Jesusfigur an der Wand sowie eine Skulptur an der linken Seite. Helle Wände und hohe Fenster lassen Tageslicht herein.
Musikerinnen und Musiker vom Kammerensemble Konsonanz mit Katja Lehmberg (ganz links im Bild), Kerstin Kerperin (3. von links), Katrin Anders (3. von rechts) und Lisa Kuppelmayr (2. von rechts)

Für Lisa Kuppelmayr spiegelt das Konzert genau das wider, wofür die HHO jeden Tag steht: Menschen in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen und ihnen echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

„Teilhabe bedeutet für mich, dass jeder Mensch dazugehören darf. Bei dem Konzert in Bewegung konnten sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, gemeinsam Musik, Freude und Gemeinschaft erleben. Und genau darin liegt die Vision der HHO: Barrieren abzubauen und Räume zu schaffen, in denen jeder Mensch gesehen wird und sich wohlfühlen kann. Ich wünsche mir, dass Menschen nach solch einer Veranstaltung nach Hause gehen und etwas im Herzen behalten. Vielleicht einen neuen Blick aufeinander. Vielleicht das Gefühlt, dass Vielfalt nichts Trennendes ist, sondern etwas Wunderschönes. Für mich war genau das am 31. Mai in der Christus-König-Kirche spürbar.“

Mehr als nur eine musikalische Veranstaltung

So ist das „Konzert in Bewegung“ weit mehr geworden als nur eine musikalische Veranstaltung. Es war eine Einladung: zum Zuhören, zum Begegnen und zum gemeinsamen Erleben. Ein Nachmittag, der gezeigt hat, dass Inklusion nicht aus großen Worten besteht, sondern aus offenen Herzen.

Für Kerstin Kerperin gehört dazu auch der große ehrenamtliche Einsatz vieler Menschen, ohne den ein solcher Nachmittag kaum möglich wäre.

 „Mich hat sehr berührt, mit wie viel Herzblut sich so viele Menschen eingebracht haben – ganz selbstverständlich auch im Hintergrund“, sagt sie.

„Und besonders schön war, dass auch die Helfergruppe selbst inklusiv war: Menschen mit und ohne Behinderung haben Hand in Hand gearbeitet, aufgebaut, organisiert und sich gegenseitig unterstützt. Genau das macht für mich Inklusion aus. Gerade solche Veranstaltungen leben davon, dass Menschen Zeit schenken, mit anpacken und Verantwortung übernehmen. Das ist nicht selbstverständlich. Zu erleben, wie viele bereit sin, sich für Gemeinschaft und Teilhabe einzusetzen, macht Mut und erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.“

Und genau darin liegt für sie auch die Hoffnung für die Zukunft:

„Ich wünsche mir sehr, dass aus diesem Projekt noch viele weitere Begegnungen entstehen. Die Zusammenarbeit zwischen der HHO und unserer Gemeinde hat gezeigt, wie viel möglich wird, wenn Menschen mit Offenheit und gegenseitigem Vertrauen aufeinander zugehen. Solche Momente verbinden – und sie wirken oft noch lange nach. Vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Konzert: dass es nicht mit dem letzten Lied endet.“

Erwachsene Frau mit grauem, schulterlangem Haar in schwarzem Punktemuster-Oberteil und blauen Jeans, steht mit erhobenen Armen vor einem jungen Mann in hellblauem T-Shirt, grauen Jeans und schwarzen Socken in einer hellen Halle mit Glastüren und beigem Boden.
Passend zum Titel "Konzert in Bewegung" durfte das Publikum aufstehen, singen, lachen und tanzen.
Eine Person in schwarzer Kleidung spielt Geige in einem Flur mit beige-grauen Fliesen. An der weißen Wand links hängen mehrere braune, geschnitzte Reliefs. Rechts befinden sich Holzbänke, auf einer liegt eine gefaltete blaue Jeans. Deckenleuchten beleuchten den Flur gleichmäßig.
Auch die Musikerinnen und Musiker bewegten sich durch die Christus König Kirche und sorgten so für außergewöhnliche Klangerlebnisse.